September 2011
47 Einträge
“Der authentische Rockstar von heute ist dagegen eher der Typ Thees Uhlmann, ein Schwiegersohn in Jeans, der sich selbst zu den letzten Aufrechten zählt, aber bei jedem Scheiß mitmacht, allein schon deswegen, weil man als Rocker heute ja irgendwie schauen muss, wo man bleibt und nebenbei die Zahl seiner Facebook-Freunde erhöht.”
—taz vom 23.09.2011, Andreas Hartmann schreibt hier eigentlich über Nirvana und 20 Jahre “Nevermind”.
“Berlin ist keine Metropole. Berlin ist die urbanisierte Provinz: ein riesiges Dorf mit viel zu vielen Einwohnern, das die sture Sachlichkeit der Großstadt mit der brutalen Herzenswärme ruraler Stammesgemeinschaften vereint. Obwohl jeder hier über genügend Auslauf verfügt, begegnet man wie im Fernsehen, in der Wohngemeinschaft oder auf dem Pausenhof überall genau denjenigen, denen man eigentlich aus dem Weg gehen wollte. Wer in Berlin allein ist, fühlt sich deprimiert und verloren statt befreit vom Zwang des Kollektivs. Wer in Berlin unter Menschen geht, wird zum Misanthropen. Die bürgerähnliche Spezies, die diese Stadt bevölkert, ist nur in Ansätzen individuiert. Sie organisiert sich in Horden nach dem Prinzip der Landnahme und nennt ihr jeweiliges Siedlungsgebiet ihren Kiez. Im Berliner Kiez kommen nachlässige Urbanität und autochthoner Stumpfsinn wie nirgends sonst auf der Welt zueinander. Kreuzberger oder Neuköllner verlassen eher den Kontinent als den eigenen Bezirk. Hier haben sie ihre Szene, hier haben sie ihre Freunde, und hier schlägt ihr Herz, das sie anders als ihren Verstand nur ungern verlieren und nie an der Garderobe abgeben. Jeden, der sie daran erinnert, dass ihre Wohnung schöner, ihr Leben glücklicher und die Welt ein freier Ort sein könnte, halten sie für einen Gentrifizierungsagenten.”
—Magnus Klaue (via neology)
Play
